Zugegeben: Der Titel ist heute provokant gewählt, aber wir hoffen, dass wir trotzdem kurz eure Aufmerksamkeit bekommen. Denn wir müssen über den Virologen Prof. Hendrik Streeck und über die PR-Agentur StoryMachine von Ex-BILD-Chef Kai Diekmann, Sportmanager und Westerwelle-Witwer Michael Mronz und Digitalexperte Philipp Jenssen sprechen.

Streeck forscht zu Aids- und Corona-Viren an der Uniklinik in Bonn, berät in der aktuellen Corona-Krise daher u. a. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und forschte zuletzt in Gangelt im Kreis Heinsberg an der Heinsbergstudie, über die zuletzt in der Diskussion um Lockerungen vom Lockdown oft geredet worden ist. In aller Kürze: Streeck und sein Team wollen herausfinden, wie hoch die Dunkelziffer bei Infektionen mit dem Coronavirus ist, um so die tatsächliche Sterblichkeitsrate ermitteln und die Gefahr so besser einschätzen zu können.

So weit, so unwidersprochen sinnvoll. Problematisch wird es ab dem Moment, an dem Streeck zur Begleitung seiner Arbeit mit StoryMachine zusammen arbeitete. Denn die suchte zur Finanzierung ihrer Arbeit Sponsor*innen in der Wirtschaft und gewannen unter anderem eine Einzelhandelskette. Gleichzeitig entwickelte die Agentur für ihr Heinsbergprotokoll eine umfassende Kommunikationsstrategie in der sie – und zwar bevor Ergebnisse vorlagen – festlegte, was wann kommuniziert werden sollte. Konkret legten sie Anfang April fest, dass vor Ostern ein Zwischenbericht veröffentlicht werden sollte, dessen Botschaft sein müsse, dass die Studie Anlass gebe, die Schutzmaßnahmen abzubauen und zur Normalität zurück zu kehren.

Der Rattenfänger von Heinsberg, 25.04.2020

Und exakt das verkündeten Streeck und Laschet dann auf einer Pressekonferenz am Gründonnerstag, obwohl die Studie bis dahin weder abgeschlossen war noch die Zwischenergebnisse neue und für Deutschland repräsentative Ergebnisse versprachen. Das was aus dem Heinsbergprotokoll herausgelesen wurde ist von den Ergebnissen der Heinsbergstudie also nicht gedeckt gewesen – Sagt auch der Virologe Prof. Christian Drosten, der das CoronaVirusUpdate moderiert, die Bundesregierung berät und als angesehenster Corona-Experte gilt.

Streeck hat damit also zumindest zugelassen, dass seine Arbeit unwissenschaftlich und unethisch inszeniert wird. Warum? Vielleicht weil sich NRW Ministerpräsident Armin Laschet im Rennen um CDU-Vorsitz und Unions-Kanzlerkandidatur gegenüber Friedrich Merz und Markus Söder als besonders liberal inszenieren möchte? Vielleicht weil StoryMachine sich ihre Arbeit u. a. von einem Unternehmen bezahlen lies, dass konkrete wirtschaftliche Interessen am Ende des Shoutdowen hatte? Oder weil der Wissenschaftler selbst die Gefahren der Pandemie stets relativierte, seit er die Erkrankung schon im Februar mit einer herkömmlichen Influenza verglich?

Wir wissen es nicht.

Aber wir sind davon überzeugt, dass all diese Fragen und insbesondere die Verbindungen zur Staatskanzlei umfassend aufgeklärt und daraus natürlich auch personelle Konsequenzen gezogen werden müssen.

Danke für eure Aufmerksamkeit, wir hoffen, wir haben sie nicht zu sehr strapaziert.

Quellen:

Corona-Studie: der Plan hinter dem Heinsberg-Protokoll; Capital – Wirtschaft ist Gesellschaft

Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert; Riff Reporter – Magazin unabhäniger Reporter