Edward Colston wurde seit 1895 eine große Ehre zu teil: Seine Heimatstadt Bristol im Vereinigten Königreich errichte eine Statue, die direkt im Stadtzentrum an ihn erinnern sollte. Da fragt man sich natürlich direkt: Was hat dieser Edward Colston denn so gemacht, dass man es vor 125 Jahren für angemessen hielt, ihm ein Denkmal zu bauen (Wir hoffen, ihr mögt den Wir sind Helden-Ohrwurm) und es in den folgenden Jahrzehnten dann auch richtig fand, es stehen zu lassen? Die Antwort ist relativ simpel: Colston hatte Bristol viel Geld für Errichtung und Erhalt Schulen, Kirchen, Kranken- und Armenhäusern gespendet. Doch das ist leider nicht alles, was Edward Colston, der im übrigen von 1636 bis 1721 lebte, zu Lebzeiten gemacht hat: Denn während des atlantischen Sklavenhandels war Edward Colston an der Versklavung von rund 80.000 Menschen aus britischen Kolonien in Westafrika beteiligt, die zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Und das rechtfertigt ein solches Andenken ganz sicher nicht. Immer wieder hat die Öffentlichkeit in Bristol (und auch darüber hinaus) deswegen über eine Entfernung der Statue und eine Umbenennung der nach ihm benannten Einrichtungen debattiert.

Fakten geschaffen wurden hingegen bei den #BlackLivesMatter-Protesten in der vergangenen Woche: Demonstrant*innen entfernten das Colston-Denkmal und versenkten es im Hafenbecken von Bristol. Ein Vorgehen, das von linksgerichteten Politiker*innen schnell unterstützt, von konservativen Politiker*innen wie Innenminister Patel und Premierminister Johnson jedoch als „kriminell“ und „schändlich“ bezeichnet wurde. Das sehen wir – wenig überraschend – anders als die rechten. Und wir merken an, dass es auch in Deutschland noch immer nach Hindenburg benannte Plätze oder Bismarck-Türme gibt. Auch manche Ehrenbürgerschaften vieler Städte sind längst nicht mehr zeitgemäß. Oder warum bitte verdient ein entschiedener Antidemokrat wie Bismarck oder der Mann, der letztlich Hitler zum Reichskanzler ernannte, eine solch glorifizierende Würdigung? Und warum Edward Colston?

Reißt die Denkmäler ein, 10.06.2020

Es ist darum gut, dass im Zuge dieser Demonstrationen nun über so manches Denkmal diskutiert wird. Am besten sollte sich jedoch die Politik an die Spitze dieser Bewegung stellt. Damit statt Versenkung im Hafenbecken ein demokratischer Beschluss eine angemessene Erinnerungskultur durchsetzt.