Jeden Abend klatschen und Dingen viele Menschen aus ihren Fenstern oder von ihren Balkons, um sich bei denen, die gerade arbeiten gehen, um die sogenannte kritische Infrastruktur aufrecht zu erhalten, zu bedanken. Viele meinen das richtig gut, wollen ein nachhaltiges Zeichen setzen und würden gerne noch mehr tun, was aber den Umständen geschuldet, gerade nicht geht. Andere finden in diesem Ritual einfach Halt, was übrigens auch völlig okay ist.

Große Pläne, 27.03.2020

Andere klatschen zwar für die Held*innen des Alltags und sind sogar in einer kurzfristig einflussreichen politischen Position – Aber tun nichts für Pfleger*innen, Betreuer*innen oder Verkäufer*innen. Im Gegenteil: So manch ein Vorschlag, der gerade aus der CDU kommt, ist für sie eher ein Schlag ins Gesicht denn politische Solidarität. Zwei Beispiele:

  • Annegret Kramp-Karrenbauer – kurz: AKK – forderte gestern mal wieder eine Dienstpflicht, also ein verpflichtender Freiwilligendienst, der beispielsweise in der Pflege absolviert werden müsste. Die Folge: Lohndumping durch ungelernte Hilfskräfte statt mehr Geld im System und einem anständigen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag.
  • Und Carsten Linnemann fordert, die lange ausgehandelte Grundrente nun doch erstmal nicht einzuführen. Gerade für viele Verkäuferinnen*, die jahrzehntelang de Facto für einen Mindestlohn arbeiteten, bedeutete dies ein Verbleib in Altersarmut.

Beide Unionsvorschläge haben mit Wertschätzung und Solidarität also gar nichts gemein. Denkt dran, wenn ihr heute Abend applaudieren oder singen geht. Singt doch nach dem Lied eurer Stadt noch die Internationale. Oder werdet am besten gleich Gewerkschaftsmitglied. Denn starke Gewerkschaften brauchen wir – Auch wenn das hier vorüber ist.