In der Fleischindustrie ist es in den letzten paar Wochen mehrmals zu Corona-Infektionsausbrüchen gekommen und damit verbunden zu einer Diskussion über Hygiene- und Arbeitsbedingungen in den hiesigen Mastbetrieben. Um eins vorweg zu sagen (und um noch eins vorweg zu sagen: Darum wird es am Freitag nochmal ausführlicher in einem neuen #ComicForFuture zu diesem Thema gehen): Natürlich muss Klima-, Umwelt- und Tierschutz einen größeren Platz in der Debatte um die Fleischproduktion und unseren -konsum einnehmen.

Doch auch bevor wir ein generelles Umdenken, beispielsweise durch die Verknüpfung von Subventionen und regionaler Produktion und artgerechter Tierhaltung, erreicht haben, müssen wir die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie verbessern. Dafür schlägt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil unter anderem vor Werkverträge für diese Branche nahezu komplett zu verbieten. Hintergrund: Durch die Werkverträge können Arbeitsplätze zu deutlich günstigeren Löhnen als in Deutschland für vergleichbare Arbeiten üblich über Subunternehmen an Arbeitnehmer*innen aus Osteuropa outgessourct werden. Zudem gibt es Verstöße bei der Arbeitszeiterfassung und auch Mitbestimmungsregeln werden entweder umgangen oder schlichtweg ignoriert. Die Beschäftigten leben in Deutschland dann in schlecht ausgestatteten und engen Sammelunterkünften, in denen beispielsweise Hygienestandards nicht eingehalten werden können. Und das krasseste: Diese Unterkünfte können von den Fleischproduzent*innen dann noch nicht einmal kontrolliert werden.

Nicht Schwein gehabt, 20.05.2020

Solche Werkverträge müssen daher wirklich verboten werden – Und die Unternehmen in Deutschland für ihr gesamtes Geschäftsfeld verantwortlich werden. Um den Punkt klar zu machen: Beschäftigte aus anderen Ländern hierher zu holen ist nicht das Problem – im Gegenteil: Die Freizügikeit in der EU ist gut, aber ihr Missbrauch zur Ausbeutung von Arbeitnehmer*innen muss unterbunden werden! Zudem muss natürlich auch die Einhaltung der Hygienestandards in den Unterkünften durch die Vermieter*innen überprüft und sichergestellt werden können.

Zum Tierschutz dann mehr am Freitag. Aber wir finden eben, dass das hier auch ziemlich wichtig ist.