Immerhin: Das brandenburgische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet fortan den brandenburgischen AfD-Landesverband. Konkret gilt die AfD in Brandenburg damit als Verdachtsfall und Beobachtungsobjekt, wodurch sensible geheimdienstliche Mittel gegen ihn eingesetzt werden dürfen. Hintergrund ist unter anderem, dass Andreas Kalbitz trotz seines AfD-Parteiausschlusses in der AfD-Fraktion bleiben darf und seine Nachfolge mit treuen Gefolgsleuten besetzten konnte. Für den Verfassungsschutz zeigt das: Die AfD Brandenburg ist nahezu deckungsgleich mit dem Flügel um Höcke und Kalbitz. Zwei besorgniserregende Anekdoten zu Kalbitz: Der war nicht nur Mitglied der rechtsradikalen Republikaner sondern mutmaßlich auch in der sogenannten HDJ, einer neonazistischen und militanten Jugendorganisation, die vor zehn Jahren verboten worden ist und reiste mit dem damaligen NPD-Chef Udo Voigt und 12 weiteren Neonazis einst nach Athen, wo sie unter anderem eine Hakenkreuzfahne aus dem Hotelfenster hissten. Solche Leute bestimmen in der AfD Brandenburg also den Ton.

Doch wenn man darüber redet, weil es eben wichtig ist darüber zu sprechen (so als ein Beispiel für latenten oder gar institutionalisierten Rassismus in Deutschland) wird es ungemütlich. Ein Beispiel: Das Bundesverfassungsgericht hat letzte Woche geurteilt, dass man die AfD als staatszersetzende Partei bezeichnen kann. Bundesinnenminister Horst Seehofer das aber nicht auf der Ministeriumswebsite sagen darf. Der letzte Teil wurde medial weit mehr beachtet. Als SPD-Chefin Saskia Esken vor „latenten Rassismus“ in der Polizei warnte, welcher der „Mehrheit der Polizist*innen schadet“, erntete sie einen Shitstorm. Der Gipfel: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sagte 2.000 oder 3.000 Fälle von Racial Profiling seien „in Anbetracht von Millionen Bürgerkontakten“ vertretbar. Obwohl Racial Profiling gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt.

Deutschland hat ein Rassismus-Problem. Zunehmend. Und zunehmend sichtbar. Und die weiße Mehrheitsbevölkerung hat ein genauso großes Problem sich dem zu stellen. Oder sich zumindest empathisch der Betroffenenperspektive zu stellen. Es ist ja auch leichter mit dem erhobenen Zeigefinger in Trumps Amerika zu gucken. Aber so geht es nicht. So wichtig die Solidarität mit der Bewegung dort ist, so wichtig ist der Kampf gegen Rassismus auch hier. Denn #BlackLivesMatter. Und zwar überall. Und jederzeit.