Vor noch gar nicht allzu langer Zeit, genauer gesagt: vor einem dreiviertel Jahr, veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung einen Bericht darüber, wie sie sich die Zukunft der Krankenhauslandschaft in Deutschland vorstellte: Von den rund 1.400 Krankenhäusern hierzulande sollten demnach rund 800 Kliniken geschlossen werden. Das wäre mehr als jedes zweite Krankenhaus. Viele konservative und neoliberale Gesundheitspolitiker*innen freuten sich: Unter dem Vorwand der vermeintlich nur so möglichen Kompetenzbündelung erhofften sie sich vor allem eins – Einsparpotenzial. Wochenlang diskutierte das wirtschaftspolitische Feulitton euphorisch bei Maischberger und Hart aber fair, ob eine wohnortsnahe Regelversorgung (also Geburtshilfe, Innere Medizin, Unfallchirurgie oder Geriatrie) in unserer alternden Gesellschaft wirklich notwendig seien.

Spoiler: Ja. Denn so wichtig die Zentrenbildung in der Medizin ist, also so sehr auch Fachkliniken gefördert werden müssen, braucht es auch die denzentrale Regelversorgung. Die kostet Geld – Aber sie rettet Leben und ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung der Patient*innen inklusive der Einbeziehung ihrer Angehörigen, die, wenn die Behandlung hunderte Kilometer weit weg erfolgte, kaum mehr möglich wäre. Und kleine Kliniken können die uneingeschränkt leisten!

Bertelsmänner, 24.03.2020

Wie falsch das Sparen im Gesundheitssystem ist, zeigt sich aber auch ganz konkret: Nämlich in der aktuellen Corona-Krise. Jetzt gerade merken wir, wie dankbar wir für jedes Krankenhaus-Bett, für jede*n Ärzt*in und jede Pflegekraft sein können. Die Vielzahl an Häusern ermöglicht vielen Städten und Gemeinden gerade eine passgenaue Planung und damit eine gute Vorbereitung auf die Ausbreitung der CoronaPandemie.

Der Vorschlag der Bertelsmänner und -frauen ist währenddessen verstummt. Und das mal sowas von zurecht. Doch es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass er auch nach der Krise in einer Mottenkiste bleibt. #MenschVorProfit!