Gestern Nachmittag fand die Besprechung zwischen Bundesregierung und Bundesländern über die Fortsetzung des Lockdowns oder eventuelle Lockerungen statt. Das Ergebnis: Ab Montag dürfen kleine und mittelgroße Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen, ab Anfang Mai auch Friseur*innen und der Schulunterricht sollen dann ebenfalls wieder in Präsenzform beginnen. Das ist kein Schritt zur Normalität, sondern verantwortungsvoller Umgang mit der Corona-Pandemie.

Es geht um die Sache I, 16.04.2020

Zwei Politiker, die in der bisherigen Diskussion bereits oft aneinander geraten seien sollen, standen dabei auch gestern wieder besonders im Fokus: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der ankündigte, Schulöffnungen erst später als die übrigen Bundesländer vornehmen zu wollen und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der im Gegenteil schon ab der kommenden Woche damit beginnen möchte. Söder verkündete dies in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (siehe oben), Laschet zog später im heute Journal nach. Der CSU-Chef Söder und der Kandidat für den CDU-Vorsitz Laschet teilten dabei auch eifrig gegeneinander aus. Wie gesagt: Nicht zum ersten Mal in dieser Krise, auch in der Frage einer möglichen Ausgangssperre hatten die beiden Kontrahenten um die Unions-Kanzlerkandidatur demonstrativ gegenteilige Positionen bezogen.

Es geht um die Sache II, 16.04.2020

Und das ist krass. Frei nach Asterix: Ganz Deutschland ringt um den richtigen Umgang mit der Pandemie. Ganz Deutschland? Nein, zwei mittelalte Konservative hören nicht auf, dem Verantwortungsbewusstsein der übrigen Entscheidungsträger*innen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Senor*innen in Bayern, die auf einer Parkbank mit Sicherheitsabstand zu anderen lesen wollen oder für Schüler*innen in NRW, die keine Infektionsträger*innen werden sollten, weil von ihnen eine besondere Verbreitungsgefahr ausgeht.

Es geht um die Sache III, 16.04.2020

Um es kurz zu machen: Söder und Laschet geht es um Macht. Und das zu einer völlig unangebrachten Zeit. Sie sollten dringend ihr eigenes Ego weg- und sich selbst dafür in den Dienst der Sache stellen. Übrigens auch im eigenen Interesse: Denn alles andere werden die Bürger*innen ihren Kanzlerkandidaten in spe nicht vergessen.