Am Wochenende fanden auch in Kanada zahlreiche #BlackLivesMatter-Demonstrationen statt. An einer von diesen nahm unter anderem Premierminister Justin Trudeau teil. Und Trudeau kniete. Eine Geste mit viel Symbolkraft – Und fanden Beigeschmack: Immerhin ist Trudeau schon seit fünf Jahren Regierungschef, seine Partei, die Liberale Partei, stellte sogar allein in den letzten fünfzig Jahren über 35 Jahre Jahre (von 1968 bis 1984 (übrigens durch Justins Vater) sowie von 1993 bis 2009 und eben seit 2015) den Premierminister. Sie war also nicht völlig ohne Einfluss, könnte man sagen.

Symbole reichen nicht, 09.06.2020

Es ist natürlich wichtig, dass sich ein Regierungschef so offensiv zu der Bewegung bekennt – Viel besser als wenn man einen Trump oder einen Bolsonaro an der Spitze hat, keine Frage. Und dennoch: Regierungschef*innen sind jetzt in der Pflicht wirklich etwas gegen Rassismus zu tun und mit dem etablierten institutionalisierten Rassismus anzufangen. In vielen Städten der USA gibt es dazu zum Beispiel die Kampange #DefundThePolice, die sich für eine disruptive Umstrukturierung der Polizei einsetzt: Der Umgang mit Wohnungslosigkeit und Dorgensucht soll beispielsweise nicht mehr zuforderst auf dem Strafrecht, sondern auf Präventionsmaßnahmen beruhen – Mehr Streetwork, weniger Policework ist eine ihrer Überschriften.

Und auch wir in Deutschland sollten Trudeaus Kniefall als Mahnung verstehen: Erst letzte Woche sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Interview auf die Proteste in Minneapolis angesprochen, dass wir „vor der eigenen Haustür“ schauen sollten, weil es ja auch hier Rassismus gibt. Und das ist richtig. Als dann aber gestern die SPD-Vorsitzende Saskia Esken eine unabhänige Prüfstelle gegen Polizeigewalt forderte und dafür unter anderem von vielen Merkel’schen Parteifreund*innen massivst kritisiert wurde, schwieg Merkel statt die Forderung offensiv zu unterstützen. So wurde auch hier Satz zum Symbol.

Doch Symbole reichen nicht.