Am Samstag ging in Datteln das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 ans Netz. Im Jahr 2020. Aber immer der Reihe nach: Der Beschluss Datteln 4 zu bauen fiel bereits im Jahr 2007, Rechtsstreitigkeiten verzögerten jedoch seine Fertigstellung und damit schließlich die Inbetriebnahme bis jetzt. Und damit bis hinter den Beschluss zum überfälligen Kohleausstieg durch die Bundesregierung. Datteln 4 gilt als eines der modernsten, vergleichsweise saubersten und effizientesten Kohlekraftwerke in Europa, weswegen durch seine Inbetriebnahme ältere und dreckigere Kraftwerke früher vom Netz gehen sollen – Doch was erst einmal positiv klingt hat einen gewaltigen Haken: Weil Datteln 4 so leistungsfähig ist, wird es voraussichtlich auch besonders hohe Auslastung haben, was dazu führt, dass – obwohl ältere und ineffizientere Kraftwerke nun vom Netz gehen – insgesamt mit Mehremissionen von rund 10 bis 13 Millionen Tonnen CO2 über die gesamte Laufzeit des Kraftwerks (wenn es wie vorgesehen bis 2038 am Netz bleiben darf) gerechnet werden muss. So geht nicht zuletzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung von eben diesen Mehremessionen aus.

Datteln 4 < 4 Datteln, 03.06.2020

So funktioniert der Kohleausstieg nicht.

Und das ist schade, denn der Kohlekompromiss, der einen Ausstieg aus der gesamten Kohleverstromung für das Jahr 2038 vorsieht, war ein krasser gesellschaftlicher Kompromiss, an dem Beschäftigte wie Unternehmen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler*innen mitgearbeitet hatten. Das wäre ein Plan gewesen – Auch wenn ein früheres Ausstiegsdatum (spätestens 2030) definitiv erstrebenswert gewesen wäre. Doch dafür braucht es mehr Mut – Mut zu Investitionen in erneuerbare Energien und in die Umstellung der Stromproduktion in Deutschland sowie die bisherigen Kohlereviere, damit die Energieversorgung sicher gestellt würden und Arbeitsplätze erhalten blieben.

Datteln 4 aber ist nicht mutig. Es vertagt die gesellschaftliche Debatte, die sich so weiter zuspitzt und die Lösung der Krise, die sich so weiter zuspitzt. Überschattet von schlechten Argumenten, krasser Wirtschafthörigkeit und der Einschränkung von Pressefreiheit wie sie viele Journalist*innen in Datteln am Wochenende erleben mussten – Bei der Gelegenheit: Was sagen Sie eigentlich zu diesen Vorgängen, Armin Laschet?